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Heinz Schmidt verabschiedet sich

Quelle: Dudo Verlag, Vor Ort in Dudweiler, Ausgabe Mai 2006

  Am 2. Mai verabschiedete die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Heinz Schmidt offiziell in den Ruhestand. Der Dudweiler Verwaltungschef verlässt nach 13 Amtsjahren das Rathaus. Bevor im Bezirksrat (nach unserem Redaktionsschluss) die Weichen hoffentlich für den Nachfolger gestellt wurden, zog Heinz Schmidt in einem Gespräch mit Redakteur Hartmut Hortt eine kurze Bilanz über die letzten Jahre.

Herr Schmidt, erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Aufgaben im Februar 1993?

Ja, ganz gut, es ging direkt um ein heißes Thema: Die Bürger kämpften damals um den Namen Dudweiler hinter der Postleitzahl, leider vergeblich. Dass es dennoch geht, zeigen die vielen Briefeschreiber, die auch heute noch einfach "66125 Dudweiler" schreiben.

Wie hat sich nach Ihrer Ansicht der Stadtbezirk über diese 13 Jahre entwickelt?

Vieles hat sich geändert, manches gut, manches weniger gut. Die Strukturen sind anders geworden, gerade durch das Schließen von Gruben mit den zahlreichen Zulieferfirmen sind
viele Industriearbeitsplätze auch in Dudweiler verloren gegangen. Wir mussten uns als Wohnstadt neu positionieren, dazu aber neue Firmenansiedlungen, wie z.B. auf den

Dudweiler Höhen geschehen, neu schaffen. Wir mussten uns als Wohnstadt neu positionieren, dazu aber neue Firmenansiedlungen, wie z.B. auf den Dudweiler Höhen geschehen, neu schaffen. Einiges haben wir auf den Weg gebracht, auch wenn man es im Stadtbild nicht gleich sieht. Als ich angefangen habe, waren keine Pläne in den Schubladen, wir mussten uns erst wieder Perspektiven erarbeiten. Vielleicht hätte man früher etwas weniger über den Verlust der Selbstständigkeit jammern sollen und lieber mehr eigene Tatkraft walten lassen. Immer nur die Schuld auf Saarbrücken zu schieben, das alleine genügt nicht.


Saarbrücken hat doch damals ein Achsen-Modell entworfen, was ist daraus geworden?

Im nachhinein gesehen, zu wenig. Das Modell ist übrigens immer noch Grundlage der Kommunalpolitik, viele wissen das leider nicht mehr. Da steht einiges drin, vor allem die Forderung nach einer Stärkung der Bezirke.

Die letzten Jahre waren vor allem geprägt durch URBAN II, das europäische Förderprogramm. Hat es für Dudweiler wirklich was gebracht?

 
Auf jeden Fall, vieles konnte angepackt werden, was wir alleine nicht hätten finanzieren können. Außerdem war es nicht ein Füllhorn, das über uns geschüttet wurde. Die Hälfte der Gelder musste die Kommune oder andere Träger selbst aufbringen. Brennender Berg, Stadtpark und Anger, das sind Beispiele, das hätten wir uns alleine aus eigener Tasche gar nicht leisten können. Wichtig ist auch die Frage, was passiert mit den Industriebranchen? Hier haben wir z.B. ganz konkrete Planungen für das Gelände der ehemaligen Grube Jägersfreude oder den Bereich des früheren Güterbahnhofs
in Dudweiler erarbeitet.

Bei welchem Projekt hätten Sie noch gerne selbst die Eröffnungsfeier geleitet?

Das Feiern ist mir nicht wichtig, sondern das Ergebnis. Bei der Fertigstellung des Angers wäre ich gerne noch dabei gewesen.
Dann bekommt die Stadtmitte ein ganz neues Bild. Die Bausünden der Vergangenheit können wir nicht wegräumen, aber gerade
dieses Projekt biegt einiges gerade. Ich wollte immer eine Sichtachse vom Dudoplatz bis zum Bürgerhaus, und das wird, mit
kleinen Abstrichen, dann auch erreicht.

Was sagt ein Verwaltungschef, wenn durch Hartz IV das Personal wegbricht und die Aufgaben weniger werden?

Hartz IV hat die kommunale Selbstverwaltung mehr verändert, als alle Neuerungen der Verwaltungsstrukturen in den letzten
Jahrzehnten. Ob positiv, wird die Zukunft zeigen. Ich bin da eher pessimistisch.

Ihre ersten Worte, als Sie hörten, dass das Dudweiler Rathaus komplett an die ARGE vermietet werden sollte?

Die spinnen.

Hat die Bezirksverwaltung, so wie sie heute aussieht, eine Zukunftschance?

Nur, wenn man dem Stadtbezirk auch die Aufgaben belässt. die unsere Satzung vorsieht. Ein weiteres Aushöhlen kostet
mehr als es bringt. Warum brauchen wir in Dudweiler kaum Gemeinwesenprojekte, die in der Kernstadt viel Geld kosten?
Weil bei uns mit einem intakten Vereinsleben und ausreichend guten Sozialstrukturen das kommunale Leben noch
funktioniert. Dudweiler, Herrensohr, Jägersfreude und immer mehr auch Scheidt, da herrscht ein Zusammengehörigkeitsgefühl,
das sollte man nicht mutwillig zerstören. Und der hauptamtliche Bezirksbürgermeister muss bleiben, sonst ist es ein
kopfloses Gebilde.

Was können Sie Ihrem Nachfolger als Empfehlung auf den Weg geben?

Einen langen Atem, denn er hat noch einen schweren Kampf vor sich. Gemeinsam mit dem Bezirksrat gibt es noch viele
Bretter zu bohren. Den Zentralisierungsplänen der Kernstadt muss man mit guten Argumenten Paroli bieten, und die sind
auch vorhanden. Die politischen Entscheidungsträger im Stadtrat haben dies ja in vielen Dingen auch schon honoriert.
Dudweiler muss als beispielhafter Stadtbezirk Akzente setzen, für die üßbrigen Bezirke Vorreiter sein.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn am 1. Juni der Ruhestand richtig und offiziell beginnt?

Endlich keinen Terminstress mehr zu haben, das ist schon toll. Und ich freue mich auf interessante Wanderungen,
gemeinsam mit meiner Frau Elke. Nicht nur in der näheren Umgebung, wir steuern gerne auch mal ferne Ziele an.

 


Vielen Dank, Herr Schmidt und ich wünsche Ihnen mit meinem
Team vor allem viel Gesundheit, damit sie mit Ihrer Familie
den Ruhestand noch lange genießen können.

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