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Ein
lebendiges Stück Heimatkunde
5000 Menschen suchten während
des Zweiten Weltkriegs im Keller Schutz |
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Der
Felsenkeller in der Dudweiler Ortsmitte wird laut
der Dudweiler Geschichtswerkstatt wieder der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.
Die SZ besichtigte unter fachkundiger Führung das
Stollenlabyrinth. |
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| Von
SZ-Redakteurin Michèle Hartmann |
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Ende
November 2006 hat er anlässlich der Dudweiler "Lichtblicke" erstmals
viel Aufsehen erregt: der Felsenkeller in der Ortsmitte, hinter der
Glückauf-Apotheke. Er wartet mit sehr bewegter Vergangenheit auf.
Ein weiteres Mal, das scheint nach Informationen der Dudweiler Geschichtswerkstatt
schon festzustehen, soll dieses Jahr - auf Initiative von "Pro Dorf"
- das Gewölbe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - mit fachkundiger
Führung.
Die Besichtigung des Stollenlabyrinths mit Eingang in der Fußgängerzone
(Saarbrücker Straße) macht Spaß und bildet. Friedrich Meier, rühriges
Mitglied der Dudweiler Geschichtswerkstatt, hat vor wenigen Tagen
unserer Zeitung diesbezüglich eine lebendige heimatkundliche Expedition
geboten. Indem er ausführlich die Geschichte des Stollens beschrieb.
In einem Aufwasch hat er dabei auch gleich noch das Scala-Kino "verarztet",
weil es in gewissem Zusammenhang steht mit dem sagenhaften Gewölbe.
Dort, wo später das Kino stand und nach ehrgeizigen Plänen ein kulturelles
Stadtteil-Zentrum erwachsen soll, war vor 250 Jahren ein von Fürst
Wilhelm Heinrich nach Plänen seines Oberbaudirektors Friedrich Joachim
Stengel erbautes Haus - mit Fischweiher und Gestüt. Das Gut, weiß
Friedrich Meier, erhielt 1788 den Namen Ludwigsfreude. Freude wohl
deshalb, weil der historischen Überlieferung nach im Hofgut Weinausschank
betrieben wurde. 1793 indes plünderten französische Revolutionstruppen
das Hofgut Ludwigsfreude aus, später (1857) war das Haus Sitz der
preußischen Bergbehörde, dann Steigerschule, danach erwarb es Carl
Philipp Vopelius aus Sulzbach. Heimatkundler Meier: "Dudweiler hatte
damals knapp 1000 Einwohner."
Vor 180 Jahren kaufte Georg Friedrich Dill das Areal. Der Gastwirt,
Bäcker und Landwirt aus Kirn errichtete hier das erste Haus am Platze:
den Nassauer Hof. Sohn Friedrich Wilhelm Dill - seine Tochter Liesbeth
wurde als Schriftstellerin bekannt - erbte das Anwesen, als sein Vater
1864 starb. Friedrich Wilhelm Dill erbaute auf der seinem Hotel gegenüber
liegenden Straßenseite eine Brauerei (jetziges Haus Sahner, lange
Zeit Uhren Risch) und legte im höher gelegenen terrassenförmig ansteigenden
Teil seines Grundstücks einen Biergarten an - mit Freiluft-Kegelbahn.
Friedrich Meier: "Wahrscheinlich ist der untere Teil der heutigen
Kirchentreppe schon damals der Zugang zum Biergarten gewesen."
Wie lange in der heutigen Saarbrücker Straße (bis 1910 hieß sie Provinzialstraße)
Bier gebraut wurde, weiß niemand. Aber: Im Berg hinter seiner Brauerei
nutzte Friedrich Dill eine Kelleranlage zum Kühlen der Getränke. Friedrich
Meier: "Es ist anzunehmen, dass Dill diesen Keller entweder gebaut
oder erweitert hat. Das muss noch ergründet werden." Und: "Es dürfte
damals nur der gerade in den Berg getriebene Stollen bestanden haben."
Im hinteren Teil des Kellers kann man von unten einen Schacht erkennen,
in dem die Getränke nach oben zum Biergarten gezogen wurden. Die vor
wenigen Jahren sanierte Anlage gehört heute dem Apotheker Werner Armbrust.
Die Stadt Saarbrücken ist im Auftrag des Bundes für die Instandhaltung
verantwortlich (Zivilschutz). Das Stollenlabyrinth, das sich jetzt
bis in etwa 50 Metern Tiefe und auf einer Strecke von fast 150 Metern
in dem Sandsteinfelsen zwischen der Scheidter Straße und der Einmündung
Rathausstraße hinzieht, ist in sehr gutem Zustand. Neben dem Haupteingang
gibt es an den Enden der Gänge und in der Mitte weitere Ausgänge.
Friedrich Meier: "Heute fast in Vergessenheit geraten, für die heute
ältere Generation aber lebenswichtig war die umfangreiche Erweiterung
und Nutzung des Kellers im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller.
Alle Anwohner der umliegenden Straßen und Schulklassen fanden eine
sichere Unterkunft während der häufigen Fliegeralarme." Nahezu 5000
Männer, Frauen und Kinder fanden hier Platz. "Wahrscheinlich ist der
untere Teil der heutigen Kirchentreppe schon damals der Zugang zum
Biergarten gewesen." vermutet Friedrich Meier. mh
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