See- und Sehleute enterten den Ankerplatz
Bunter Flaggenschmuck am Signalmast, als Piraten verkleidete Kinder und stimmungsvolle Shantyklänge ließen schon von weitem erahnen, dass die Marinekameradschaft am vergangenen Sonntag das Kommando über den Ankerplatz in der Sulzbachtalstraße übernommen hatte. Spätestens beim Genuss der bunten Cocktails an der „Neptun-Bar“ oder der leckeren Scampi-Spieße vom Grill hatte auch der letzte Besucher mitbekommen, dass er sich an Bord des ersten Ankerfestes in Dudweiler befand, zu dem die Marinekameradschaft Gäste aus Nah und Fern eingeladen hatte.
Trotz des schwülwarmen Wetters strömten schon am Vormittag zahlreiche Besucher herbei und ließen sich von der maritimen Stimmung anstecken. Der Vorsitzende der Marinekameraden, Günter Hary, konnte neben namhaften Vertretern der Bezirksgemeinde Dudweiler auch in diesem Jahr wieder ehemalige Seeleute des längst außer Dienst gestellten Patenschiffes des Saarlands, Zerstörer D 185 Lütjens, willkommen heißen. Sie kamen dieses Jahr aus Bonn, Celle, Worms und Gießen angereist. Darunter auch der letzte Kommandant der Lütjens, Fregattenkapitän Michael Meding, der sich seit einigen Jahren aktiv in der Kameradschaft einbringt und in diesem Jahr die Aufgabe des Schriftführers übernahm.

Eine besondere Herausforderung wartete auf die jüngsten Besucher. Mit bunten Kopftüchern und schwarzen Augenklappen durchkreuzten sie einen maritimen Spieleparcour, wurden in einer schaukelnden Hängematte sogar auf ihre Seetauglichkeit geprüft, ein Test, bei dem manch ein Erwachsener sicherlich dankbar war, ihn nicht auch mitgemacht haben zu müssen. Für die musikalische Umrahmung sorgten einmal mehr der Shantychor Prinz Eugen aus Friedrichsthal und Herr Seeber (man beachte die Schreibweise!), der mit seinem Akkordeon durch die Tischreihen zog, um den Festgästen einen Hauch von Seefahrerromantik zu vermitteln und sie zum Mitsingen und Mitschunkeln zu verleiten. Fetzige Showtanzeinlagen hingegen boten die Kindergarde der Karnevalsgesellschaft „Grüne Nelke“ und die des Heimat- und Kulturvereins Dudweiler Nord. Ob in bunten, selbst geschneiderten Matrosenkostümen oder mit Motiven aus dem Musical Mary Poppins, mit ihren gelungenen Choreographien zogen sie die Aufmerksamkeit der Besucher in ihren Bann und sorgten für mitreißende Stimmung.
Einer der spannenden Höhepunkte des Tages war sicherlich die Bekanntgabe des Gewinners der angekündigten Reise für zwei Personen zum Ostseebad Laboe im nächsten Jahr. Um diesen Hauptgewinn für sich in Anspruch nehmen zu können, galt es die exakte Länge eines Seils zu schätzen, das in einer bauchigen Flasche lagerte. Dass die Länge des Seils mit 18,5 Metern in direktem Zusammenhang mit dem ehemaligen Patenschiff stand, war kein Zufall. Die Seitennummer des Zerstörers Lütjens lautete nämlich D 185. Von den etwa 250 Teilnehmern hatten am Ende des Tages zwei die richtige Antwort abgegeben. Auch wenn bei der Auswertung der abgegebenen Scheine festzustellen war, dass vor allem das zarte Geschlecht mit den Schätzungen besser lag, fiel am Ende das glückliche Los auf Herrn Georg Montag.

Die Männer und Frauen der Marinekameradschaft Zerstörer Lütjens tragen dazu bei, das maritime Bewusstsein vor allem im Binnenland zu bewahren. Als vor vielen Jahren die Entscheidung gefallen war, dass der in Kiel beheimatete Zerstörer D 185 Lütjens Patenschiff des Saarlands werden sollte, bot sich die MK immer wieder an, die Abordnungen des Schiffes in deren Familien zu Hause unterzubringen. In nahezu drei Jahrzehnte entstanden viele gelebte Freundschaften und Beziehungen, die zum Teil heute noch anhalten. Vier Jahre nach der Außerdienststellung der Lütjens wurde der Buganker der Lütjens nach Dudweiler verbracht, wo er im Mai 2007 feierlich enthüllt wurde. Seitdem ist der „Ankerplatz“ eine Stätte, die von vielen ehemaligen Besatzungsmitgliedern aufgesucht wird.
Text und Bilder: Michael Mendig